Die Geburt von CHARIS und seine Bedeutung für die Katholisch-Charismatische Erneuerung

Ansprache von Kardinal Kevin Farrell während der Einsetzung von CHARIS – 6. Juni 2019

Ich bin dankbar für die Gelegenheit zu kommen und vor so vielen Leitern in der Katholisch-Charismatischen Erneuerung über die Vision zu sprechen, die CHARIS ins Leben gerufen hat und warum CHARIS für die Zukunft der Charismatischen Erneuerung und für die Kirche wichtig ist. Besonders möchte ich Jean-Luc Moens, dem Moderator von CHARIS, und P. Raniero Cantalamessa O.F.M.Cap, dem geistlichen Beirat, danken und die Mitglieder des Internationalen Dienstes des Miteinanders begrüßen.

CHARIS: eine päpstliche Initiative

Wenn wir von den Anfängen von CHARIS  sprechen, ist der erste Punkt, auf den wir hinweisen, dass die Idee direkt von Papst Franziskus kommt. Ich denke, er überraschte beinahe jeden, als er 2015 den Präsidenten von ICCRS und der Catholic Fraternity schrieb und sie bat, zunächst über die Vorteile einer Bildung eines einzigen Dienstes für die weltweite Katholisch-Charismatische Erneuerung nachzudenken; und sie dann in einem zweiten Brief aufforderte, aktiv in den Prozess einzutreten, der zur Schaffung von CHARIS führte.

Ich denke, es ist uns allen klar, dass die wichtigste Zielsetzung nicht organisatorisch, sondern pastoral war. Als guter Hirte hat er den Prozess vom ersten Tag an begleitet.  Ich kann euch mitteilen, dass der Heilige Vater mich während der dreijährigen Periode der Schaffung von CHARIS immer wieder nach Neuigkeiten über den Fortschritt des Projekts fragte.

Eine besondere Zeit in der Geschichte der Charismatischen Erneuerung

Die Briefe von Papst Franziskus, die CHARIS betreffen, sagen deutlich, dass das Zeugnis, das die Charismatische Erneuerung der Kirche gibt, wirkungsvoller ist, wenn es ein Zeugnis der Einheit und des Dienstes ist, und jene, die leiten, danach streben müssen und

es absolut notwendig ist, die Einheit in der Internationalen Charismatischen Erneuerung zu stärken.

Er unterstreicht auch, dass wir gegenwärtig in einer besonderen Zeit in der Geschichte der Katholisch-Charismatischen Erneuerung sind und nach fünfzig Jahren ein guter Zeitpunkt ist, Bilanz zu ziehen und ehrlich darüber nachzudenken, wie man dem Herrn und der Kirche am besten dient.

Wir sollten nicht überrascht sein, dass der Heilige Vater sehr konkrete Vorstellungen von der Rolle der Katholisch-Charismatischen Erneuerung hat, denn er hat selbst erklärt, dass er als Bischof mit der Zeit dazu kam, das Wachstum in ein authentisches christliches Leben, das die Taufe im Heiligen Geist bringt, anzuerkennen; und am Ende seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires war er auch der Vertreter der Katholisch-Charismatischen Erneuerung in der argentinischen Bischofskonferenz [1]. Die Vision, die Papst Franziskus für die Katholisch-Charismatische Erneuerung vorlegt und die Aufgaben, die er für ihre Leiter und Mitglieder festlegt, bilden einen Teil davon, wie Papst Franziskus das Charisma des Petrus ausübt und wie er versucht, seine Mission als Seelsorger der universalen Kirche zu erfüllen.

Was der Papst von der Katholisch-Charismatischen Erneuerung heute und für die Zukunft erwartet, verlangt, dass sie sich selbst als pastorales Werkzeug im Dienst des Nachfolgers Petri versteht. Das bedeutet, dass wir mit tiefer Fügsamkeit in ein Verständnis eintreten, dass die Katholisch-Charismatische Erneuerung nicht ihren Mitgliedern gehört, sondern vielmehr der Kirche. Das kann uns überraschen: schließlich war die Erneuerung keine kirchliche oder päpstliche Initiative. Die Charismatische Erneuerung ist wirklich von unten her gewachsen, von Person zu Person, durch eine Reihe privater Initiativen, ermächtigt durch den Geist, wie ein Waldbrand von einem starken Wind vorangetrieben wird.

Sie ist eine Erfüllung der Sehnsucht Jesu: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen“ (Lk 12:49). So bewegt der Geist die Kirche oft – dabei verändert er das Leben der Menschen durch eine persönliche Begegnung mit ihm und nötigt die Priester aufmerksam zu werden – und die Gegenwart des Geistes zu prüfen, zu bestätigen und sein göttliches Wirken zu fördern. Beispiele davon gibt es in der ganzen Kirchengeschichte. Es genügt, das Leben von Franz von Assisi zu betrachten, ein Laie, der Gott erlaubte, sein Leben zu formen und dadurch den Zündfunken für eine tiefgreifende Erneuerung der Kirche legte, deren Früchte bis heute sichtbar sind.

Wie Papst Franziskus von der Katholisch-Charismatischen Erneuerung als einem „Strom der Gnade“ [2] spricht, erinnert uns durchaus daran, wie Kardinal Ratzinger von der Gabe sprach, die der Kirche durch die Fügsamkeit des Franz von Assisi gegeben worden ist [3]. Ja, es gibt franziskanische Orden und Gemeinschaften, aber es besteht ein geistlicher Strom, der sie umschließt und über sie hinaus geht, und der das väterliche Erbteil der ganzen Kirche geworden ist. Auf gleiche Weise wurden in der Katholisch-Charismatischen Erneuerung besondere Gemeinschaften und Institutionen ins Leben gerufen – aber dieser Strom der Gnade geht über sie hinaus und gehört keinem von ihnen.

In Bezug auf ihre Identität und Mission ruft Papst Franziskus die Erneuerung deshalb auf, in eine noch tiefere kirchliche Reife einzutreten, und CHARIS ist das Instrument, das im Dienst  dieses Prozesses der Reifung steht. Aufgrund dieser kirchlichen Identität empfängt die Katholisch-Charismatische Erneuerung von den Vätern der Kirche die Bestätigung ihrer Identität.

Die allmähliche Reifung der Katholisch-Charismatischen Erneuerung und ihrer kirchlichen Identität haben alle römischen Päpste, die die Erneuerung gekannt haben, ermutigt und begleitet.

Der heilige Paul VI äußerte 1975 in seiner Ansprache beim Internationalen Charismatischen Kongress eine authentische kirchliche Feststellung, als er die Katholisch-Charismatische Erneuerung als „eine Chance für die Kirche und die Welt“ [4] bestätigte, und unterstrich drei Prinzipien der Unterscheidung, die der heilige Paulus mit den Worten „Prüft alles und behaltet das Gute“ (1 Thess 5:21) gab, um dafür besser gerüstet zu sein. Diese Prinzipien sind:

  • Treue zur authentischen Lehre des Glaubens – wenn etwas dem Glauben widerspricht, kommt es nicht vom Geist;
  • den höheren Gaben den Vorrang geben – die höheren Gaben sind jene, die im Dienst des gemeinsamen Wohls gegeben werden;
  • das Streben nach Nächstenliebe – weil die Liebe allein alle Gaben zusammenhält und sie vollkommen macht (Kol 3:14).

Als der heilige Johannes Paul II 1981 zu den Teilnehmern der Vierten Internationalen 

Leiterkonferenz sprach, wiederholte er diese Prinzipien als fundamental für jene, die in der Katholisch-Charismatischen Erneuerung leiten, und stellte fest, dass die Leiter der Erneuerung seit 1975 bereits „eine breitere kirchliche Vision entwickelten und […) sich bemühten, diese Vision für jene, die auf ihre Führung angewiesen sind, zunehmend Wirklichkeit werden zu lassen“ [5].

Es war auch der heilige Johannes Paul II, der während des Großen Jubiläums im Jahr 2000 in einer Botschaft zum Welttreffen der Katholisch-Charismatischen Erneuerung die Charismatische Erneuerung und besonders die Gemeinschaften in ihr aufrief, zu größerer kirchlicher Reife weiterzuschreiten, und beauftragte die internationalen Leiter mit der Weiterentwicklung dieses kirchlichen  Bewusstseins [6].

Als Papst Benedikt XVI 2012 zur Versammlung der Katholisch-Charismatischen Erneuerung am Abend vor Pfingsten sprach, lud er sie ein, die Kraft des Heiligen Geistes zu empfangen, um „im Vertrauen und in der Hingabe an seinen Willen zu wachsen, in der Treue zu unserer Berufung und zu unserer Verpflichtung, erwachsen zu werden im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe, …] reif und verantwortlich, […] klein, demütig und dienstbereit vor Gott“ [7]. Für diese Reife unterstrich er die Bedeutung einer „demütigen und uneigennützigen“ Ausübung der Charismen, immer eingesetzt zum Wohl der Gemeinschaft, auf dem festen Felsen des Wortes Gottes gebaut (Mt 7:24-25) und geleitet vom Lehramt der Kirche [8].

Wie Papst Franziskus bekräftigt, tritt dieser Weg der kirchlichen Reifung ganz klar in eine neue Phase ein und CHARIS ist ein Instrument, das Papst Franziskus für den Dienst daran wünschte. Am Abend im Circus Maximus während des Goldenen Jubiläums im Jahr 2017 lud der Heilige Vater uns alle ein: „Ich wünsche euch eine Zeit der Reflexion, des Gedenkens an die Ursprünge: eine Zeit, um alles hinter euch zu lassen, was das eigene Ich hinzugefügt hat, und es zu verwandeln in das Hören und die freudige Annahme des Wirkens des Heiligen Geistes, der weht wo und wie er will“ [9].

Die Erneuerung ist heute eine geistliche Kraft, die das Leben von Millionen von Menschen durch ihre persönliche Taufe und die Ausgießung des Heiligen Geistes durchdringt. Auch als organisierte Form des Apostolats; sie nimmt auch Aufgaben und Missionen auf sich, die über die Autonomie hinausgehen, die die Gläubigen haben, um sich für die Evangelisation und die Suche nach Heiligkeit zu organisieren. In diesem Sinn empfängt die Katholisch-Charismatische Erneuerung ihre Mission von der Kirche. Auf sehr besondere Weise ist es der Heilige Vater Papst Franziskus, der uns in diesen Tagen klare Hinweise gegeben hat, was diese Mission ist. Diese kirchliche Mission, die der Katholisch-Charismatischen Erneuerung verliehen ist, inspirierte Papst Franziskus zur Schaffung von CHARIS.  Wegen der öffentlichen Natur dieser kirchlichen Mission ist CHARIS auch mit öffentlicher Rechtspersönlichkeit ausgestattet worden.

Was ist also diese Mission?

Der Heilige Vater hat der Katholisch-Charismatischen Erneuerung gesagt, dass die ganze Kirche ihre Hilfe braucht, um das Evangelium zu leben. Wenn der Heilige Vater zur Katholisch-Charismatischen Erneuerung spricht, richtet er das Wort gleichzeitig an alle und an jede Person, die diesem Strom der Gnade angehört, und auch an jene, die in einer Leiterfunktion dienen, weil alle je nach seiner oder ihrer Situation und Rolle dafür verantwortlich sind, wie die Erneuerung der Kirche dient.

CHARIS ist gedacht, im Dienst aller dieser Personen und Gruppen zu stehen, um ihnen zu helfen, diese Erwartungen zu erfüllen:

1) Der Heilige Vater erwartet beständige persönliche Umkehr zur Liebe Jesu, bezeugt in einem auf das Evangelium gegründeten und mit ihm übereinstimmenden Leben [10].

Für diese persönliche Umkehr sollten wir hervorheben, dass sie aus der Taufe im Heiligen Geist und der persönlichen Begegnung mit Christus fließt. Wir wissen alle, dass das Festhalten am Evangelium nicht zuerst eine moralische Anstrengung des Gehorsams ist, sondern vielmehr der Wille, sich immer wieder für die Nachfolge zu entscheiden.

2) Er erwartet von uns, mit allen Menschen in der Kirche die Gnade der Taufe im Heiligen Geist zu teilen [11].

3) Er erwartet von uns zu evangelisieren, dabei das Wort Gottes zu verwenden und Jesus als Herrn und seine Liebe für sein ganzes Volk zu verkünden [12].

Wir haben bereits in der Erinnerung von Papst Benedikt im Jahr 2012 vermerkt, dass das Bauen auf dem Felsen – das ist das Wort Gottes (Mt 7:24-25) – Fügsamkeit gegenüber dem Lehramt der Kirche verlangt. Er führt das weiter aus, wenn er bei derselben Gelegenheit sagt: „Deshalb ist es notwendig, die Gewissen im Licht des Wortes Gottes zu formen und ihnen so Festigkeit und wahre Reife zu verleihen; Wort Gottes, von dem jedes kirchliche und menschliche Projekt seinen Sinn und seinen Impuls erhält, auch was den Aufbau der irdischen Stadt betrifft (vgl. Ps 127,1). Die Seele der Institutionen muss erneuert und die Geschichte mit Samen des neuen Lebens befruchtet werden“ [13].

Während des Großen Jubiläums im Jahr 2000 ermahnte der heilige Johannes Paul II die Charismatische Erneuerung: „Sucht immer Christus! Sucht ihn in der Betrachtung des Wortes Gottes, sucht ihn in den Sakramenten, sucht ihn im Gebet, sucht ihn im Zeugnis eurer Brüder und Schwestern“ [14]. In dieser Einladung – zurückzukommen zum Wesentlichen, das die Erneuerung empfangen hat – fordert Papst Franziskus uns auf, das Wort Gottes als unsere erste Liebe wiederzuentdecken. „In den Anfängen sagte man, dass ihr Charismatiker immer eine Bibel mit euch tragt, das Neue Testament […] Habt ihr heute noch eine dabei? […] Wenn nicht, kehrt zu dieser ersten Liebe zurück“ [15].

4) Er erwartet von uns, ein Volk des Gebets und des Lobpreises zu sein [16].

5) Er erwartet von uns, den Armen und Bedürftigen nahe zu sein. [{17].

Papst Franziskus ermahnt die Erneuerung den Armen nahe zu bleiben.

Er sagt: „In ihrem Fleisch werdet ihr das verwundete Fleisch Christ berühren” [18]. Obwohl diese Nachdrücklichkeit manche Menschen überraschte, ist dieses Thema in dem, was die Päpste von der Katholisch-Charismatischen Erneuerung erwarteten, immer gegenwärtig gewesen. 1975 sagte der heilige Paul VI: „Es gibt keine Grenzen für die Herausforderungen der Liebe; die Armen und Bedürftigen und Betrübten und Leidenden der ganzen Welt und um euch herum rufen nach euch, als Brüder und Schwestern Christi bitten sie um den Beweis eurer Liebe, fragen nach dem Wort Gottes, bitten um Brot, verlangen nach Leben“ [19].

Der heilige Johannes Paul II sagte im Jahr 2000: „Dient Christus in jenen, die euch nahe sind, dient ihm in den Armen, dient ihm in den Nöten und Bedürfnissen der Kirche. Lasst euch wahrhaft durch den Geist führen! Liebt die Kirche“ [20]. Indem wir die Armen lieben und ihre Wunden verbinden, lieben wir Christus. Noch mehr, wenn wir uns dem Heiligen Geist fügen, können wir uns entscheiden, diesen konkreten Gesten eine weitere Bedeutung als Gesten der Liebe für die Kirche zu geben. Beim Treffen des Goldenen Jubiläums im Circus Maximus erinnerte uns Papst Franziskus an das Zeugnis der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem: „Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt“ (Apg 4:34). Die Taufe im Geist, der Lobpreis und der Dienst an unseren Brüdern und Schwestern sind „untrennbar verbunden“.

6) Er erwartet von uns, das Zeugnis der geistlichen Ökumene zu geben, als etwas, das wir unseren Brüdern und Schwestern in anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften schulden [21]. 

Im Circus Maximus bestimmte Papst Franziskus die Katholisch-Charismatische Erneuerung zum Instrument der Wahl für die ökumenischen Bemühungen der Kirche.

Es ist ein Zeichen der Vorsehung Gottes, dass dieselbe Erneuerung der Pfingsterfahrung in allen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften auftrat. Deshalb gibt es quer durch die Charismatische Erneuerung eine gemeinsame geistliche Erfahrung bei Christen in allen Denominationen. Die Charismatische Erneuerung ist von der Vorsehung als eine Erfahrung geschenkt, die Christen vereint: sie wurde ökumenisch geboren [22]. Im Zuge der Reifung ihrer kirchlichen Identität ist die Katholisch-Charismatische Erneuerung von Papst Franziskus aufgerufen, bei seiner Aufgabe mitzuwirken, als Nachfolger Petri die christlichen Kirchen und Gemeinschaften zusammenzuführen ‚so dass alle eins seien’. Am selben Abend erinnerte uns P. Cantalamessa, dass der ökumenische Weg der Liebe sofort beginnen könne: jede Person kann das jetzt tun. Gleichzeitig, so setzte er fort, sorgt die gemeinsame Erfahrung der Christen in der Charismatischen Erneuerung für einen Kontext, in dem Brüder und Schwestern, die den gleichen Geist teilen, danach trachten können, über die Fragen, die uns trennen „die Wahrheit in Liebe zu sagen“ – und auf diese Weise die Einheit der Christen anstreben. Da Papst Franziskus die Katholisch-Charismatische Erneuerung in dieses institutionelle ökumenische Bestreben einbindet, liegt klarerweise eine Pflicht der Förderung, Unterscheidung und Ausformung auf CHARIS, wie die Erneuerung daran teilnehmen kann. Wie der heilige Johannes Paul II bereits 1981 sagte: „Seien wir zuversichtlich, wenn wir uns dem Wirken der genuinen Erneuerung im Geist unterstellen, wird derselbe Heilige Geist die Strategie für die Ökumene ans Licht bringen, die unsere Hoffnung  Wirklichkeit werden lässt“, dass alle wirklich eins in Christus sind [23].

7) Er erwartet von uns, die Einheit innerhalb der Katholisch-Charismatischen Erneuerung zu suchen und zu fördern, weil so eine Einheit das Zeichen des Geistes ist [24].

CHARIS wird die Erneuerung begleiten, indem es betet und danach strebt, den Heiligen Geist wieder herabzurufen, wie in einem neuen Pfingsten. Um Papst Franziskus am Pfingstsonntag 2017 zu interpretieren: der Geist, der auf jeder Person ruht und sie dann alle in Gemeinschaft zusammenbringt, jeder Person neue Gaben gibt und sie alle in Einheit versammelt, derselbe Geist schafft Einheit und Verschiedenheit. In dieser Logik wird CHARIS der Katholisch-Charismatischen Erneuerung dienen, im Dienst an allen Ausdrucksformen der Erneuerung – Unterstützung  geben, für Training und Ausbildung sorgen, bei der Unterscheidung helfen, Mission ermutigen und allen beistehen, die auf allen Ebenen dienen – um die wiederkehrende Versuchung zu vermeiden, Verschiedenheit ohne Einheit und Einheit ohne Verschiedenheit zu suchen.

CHARIS wird Wege suchen, um alle Menschen, die die Gnade der Taufe im Heiligen Geist teilen, zu ermutigen, persönliche Verantwortung als Männer und Frauen einer Gemeinschaft zu übernehmen, wo die erneuerte Erfahrung von „empfangener und gewährter Vergebung“ Herzen neu macht und uns als neue Menschen aufbaut für den Dienst des Herrn [25]. Wie Ezechiel prophezeite: „Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist gebe ich in euer Inneres. Ich beseitige das Herz von Stein aus eurem Fleisch und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich gebe meinen Geist in euer Inneres und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt.  […] Ihr werdet mir Volk sein und ich, ich werde euch Gott sein (Ez 36:26-28).

Rat an die Leiter

Bitte erlaubt mir mit einigen Erwägungen zu schließen – besonders für jene unter euch, die Leiter in der Katholisch-Charismatischen Erneuerung sind. Ich entlehne einige Punkte dem heiligen Johannes Paul II, der im Jahr 1981 zu Menschen wie euch gesprochen hat, denn sie helfen uns zu verstehen, wie jeder von uns innerhalb von CHARIS berufen ist, zu dienen.

Erstens; „Die Rolle des Leiters ist es, an erster Stelle das Beispiel des Gebets zu geben […] mit zuversichtlicher Hoffnung, mit sorgfältigem Eifer; es fällt dem Leiter zu, sicherzustellen, dass das vielgestaltige väterliche Erbe des Gebetslebens der Kirche bekannt ist und von denen erlebt wird, die geistliche Erneuerung suchen“.

Zweitens ist es eure Aufgabe, feste Nahrung für die geistliche Unterweisung zu gewährleisten, indem ihr das Brot der wahren Lehre brecht. Die Liebe zum offenbarten Wort Gottes, geschrieben unter der Leitung des Heiligen Geistes, ist das Unterpfand für euren Wunsch, ‚fest im Evangelium zu stehen’, das von den Aposteln verkündet wurde […]. Sorgt sodann als Leiter für eine gesunde theologische Ausbildung für euch und für alle, die von eurer Leitung abhängen, um ein reifes und umfassendes Verständnis des Wortes Gottes zu gewährleisten. ‚Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. In aller Weisheit belehrt und ermahnt einander’ (Kol 3:16)“.

Drittens müsst ihr als Leiter in der Erneuerung die Initiative ergreifen und vertrauensvolle Beziehungen und Zusammenarbeit mit den Bischöfen aufbauen, die nach der Vorsehung Gottes die pastorale Verantwortung und Hirtensorge für den ganzen Leib Christi, inklusive der Charismatischen Erneuerung, haben. Auch wenn sie die Formen des Gebets, die ihr so bereichernd findet, nicht mit euch teilen, werden sie sich doch eure Sehnsucht nach geistlicher Erneuerung für euch und die Kirche zu Herzen nehmen“ [26].

„Bitte erlaubt mir einen letzten Punkt. Wenn wir uns darüber klar werden, was wir empfangen haben und was für die Zukunft getan werden muss, erfordert das von uns, dass wir für eine neue Generation von Leitern planen. Eine der Funktionen guter Leiterschaft ist die Fähigkeit, für eine Zeit zu planen, in der andere in den Vordergrund treten – und wie der Vorläufer Johannes der Täufer müssen wir kleiner werden und Platz machen (Joh 3:30). Das ist in der Kirche eine Bedingung für gute Gesundheit und deshalb beinhalten die Statuten klare Empfehlungen für die Erneuerung unserer Leitungsteams [27]. Im Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium verweist Papst Franziskus auf verschiedene Versuchungen unter jenen, die in der Kirche dienen. Unter anderen Punkten spricht er von der Herausforderung, jungen Menschen ein Gefühl der Zugehörigkeit in unseren Gemeinschaften und Strukturen zu vermitteln. Er hält fest, dass der Heilige Geist „neue Wege öffnet, die mit ihren Erwartungen und ihrer Suche nach einer tiefen Spiritualität […] im Einklang stehen“ [27]. So besteht die Herausforderung für die Katholisch-Charismatische Erneuerung darin, in unseren bestehenden Gemeinschaften Orte zu schaffen, wo wir jungen Menschen erlauben, uns in der Heiligkeit und Mission voranzugehen.

Abschluss

In meinen Überlegungen habe ich heute Maria nur wenig erwähnt, aber wenn wir vom Leben im Heiligen Geist sprechen, ist sie selten weit weg. Mein Gebet für uns alle ist, dass wir alle von ihr lernen – an diesem Pfingsten und an jedem Pfingsten – wie wir den Heiligen Geist besser empfangen und Jünger werden. Letzten Endes ist das der Grund für CHARIS.

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[1] FRANZISKUS, Ansprache an die Teilnehmer an der 37. Nationalen Versammlung der Erneuerung im Heiligen Geist, Olympiastadion, Rom, 1. Juni 2014 (nachstehend Olympiastadion) 

[2] FRANZISKUS, Vigil von Pfingsten und Ökumenisches Gebet anlässlich des Goldenen Jubiläums der Katholisch-Charismatischen Erneuerung, Circus Maximus, Rom, 3. Juni 2017 (nachstehend Circus Maximus); Franziskus, Olympiastadion.

[3] J. RATZINGER, “Die kirchlichen Bewegungen: Eine theologische Betrachtung über ihren Platz in der Kirche”, in Pontificium Consilium pro Laicis, Bewegungen in der Kirche, Vorbereitungen auf den Weltkongress der kirchlichen Bewegungen (Rom, 27. – 29. Mai 1998) (Vatican City: Libreria Editrice Vaticana, 1999) 23-51.

[4] PAUL VI, Ansprache an die Teilnehmer am 3. Internationalen Kongress der Katholisch-Charismatischen Erneuerung, Rom, 19. Mai 1975.

[5] JOHANNES PAUL II, Ansprache an die Teilnehmer an der Vierten Internationalen Leiterkonferenz der Katholisch-Charismatischen Erneuerung, Rom, 7. Mai1981 (nachstehend Leiter 1981).

[6] JOHANNES PAUL II, Botschaft an die Katholisch-Charismatische Erneuerung. 24. April 2000 (nachstehend Botschaft 2000).

[7] BENEDIKT XVI, Ansprache an die Teilnehmer am Treffen gefördert durch die Erneuerung im Geist, Petersplatz, 26. Mai 2012 (nachstehend Benedikt 2012).

[8] Ebenda.

[9] FRANZISKUS, Circus Maximus.

[10] FRANZISKUS, Olympiastadion.

[11] FRANZISKUS, Circus Maximus; Franziskus, Olympiastadion.

[12] FRANZISKUS, Olympiastadion.

[13] BENEDIKT XVI, 2012.

[14] JOHANNES PAUL II, Botschaft 2000.

[15] FRANZISKUS, Olympiastadion.

[16] FRANZISKUS, Circus Maximus; Benedict, 2012.

[17] Ebenda.

[18] Ebenda.

[19] PAUL VI, 1975; auch zitiert in: Johannes Paul II, Leiter 1981.

[20] JOHANNES PAUL II, Botschaft 2000.

[21] Ebenda.

[22] FRANZISKUS, Circus Maximus.

[23] JOHANNES PAUL II, Leiter 1981.

[24] FRANZISKUS, Olympiastadion;  Franziskus, Circus Maximus.

[25] FRANZISKUS, Heilige Messe zum Hochfest von Pfingsten, Petersplatz, 4. Juni 2017.

[26] Alle: JOHANNES PAUL II, Leiter 1981.

[27] CHARIS, Statuten, Artikel 10 and 14.

[28] FRANZISKUS, Apostolisches Schreiben Evangelii Gaudium, 24. November 2013, Nr. 105.

Übersetzung aus dem Englischen von Elisabeth Obermayer